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Nikki

Bevor ich zu Nikki komm, möchte ich erzählen, dass ich vorher bereits 2 Katzen hatte: Die erste hiess Minka, die zweite Mieze... NIE nicht wollte ich etwas mit Katzen zu tun haben!! Dachte – wie wohl viele andere auch – die sind falsch und kratzen und beissen...

Als der Sohnemann ca. 7 Jahre alt war, dachten seine Eltern: Ein Haustier muss her. Als Einzelkind sollte er zumindest für ein Haustier ein wenig Verantwortung mit übernehmen. Hihihi..... Mein Exmann hatte die glorreiche Idee einer Schildkröte!! Braucht keinen Auslauf und ist genügsam im Futtern. Weit gefehlt.... das Tier stank und grub uns tiefe Löcher in den Garten. Und Salat war gar nicht so schnell herbei zuschaffen, wie benötigt LOL

Als Marco und ich von einer Freizeit aus Holland heimkamen, hörten wir unbekannte leise Geräusche... mauzen. Da wurden wir von einer ca. drei Monate alten getigerten Katze begrüsst und ich verlor sofort mein Herz an Minka - eingetauscht gegen eine sibirische 2 oder 3-Zehen Schildkröte. Sie war so etwas von anhänglich und lieb, unbegreiflich. Aber nicht nur zu uns, zu jedem anderen auch. Sie lief Marco sogar zur Schule hinterher..... und nach ein paar Monaten war sie spurlos verschwunden. Alles Suchen und Rumfragen half nicht. Marco und ich haben viel geweint.... und Marco’s Vater war total ratlos. Bis er dann nach einigen Wochen energisch meinte: Eine neue Katze muss her!! So kamen wir dann zu Mieze – eine Handvoll Leben, weggeworfen im Wald wie Müll, weggeworfen von Menschen. Sie war keine 3 Wochen alt nach Aussage des Tierarztes und wir peppten sie auf mit all unserer Liebe.....

Wir haben es nie bereut..... und sie hoffentlich auch nicht. 18 Jahre wurde sie alt und wir hatten viel erlebt mit ihr. Mein schönstes Erlebnis war, als sie am 17. Juni 1982 (damals noch ein Feiertag) beschloss, mich als Hebamme auszuwählen. So etwas ist unbeschreiblich – unvergesslich. 5 Babies brachten wir gemeinsam und unter Zuhilfenahme von etwas verdünnten Kaffee in gut 5 Stunden zur Welt. Aber wir und auch Mieze waren froh, als nach gut 8 Wochen wieder Ruhe einkehrte.... für jedes Kätzchen fanden wir ein liebevolles Zuhause.

Nach meinem Auszug aus der ehelichen Wohnung beschlossen wir, Mieze erstmal bei meinem Exmann zu lassen, wegen der gewohnten Umgebung. Ich hatte sie mehrmals übers Wochenende bei mir in der neuen Wohnung und sie schien es zu verstehen. An einem Mittwochabend gegen 20 Uhr bekam ich einen Anruf: „Du, der Mieze geht es so schlecht. Ich weiss nicht, was ich machen soll.“ Mit überhöhter Geschwindigkeit fuhr ich dorthin, ein Blick auf Mieze und die laut Anzeigen grösste Tierarztpraxis im Telefonbuch, was ich mir schnappte und anrufen waren eins. Aber man konnte ihr nicht mehr helfen.... sie musste eingeschläfert werden. Das war mit das härteste in meinem Leben, über Leben und Tod zu entscheiden. Nur die eindringlichen Worte des Tierarztes, man kann ihr nicht mehr helfen – egal was wir verlangen würden wie Medikamente, Operation... gaben letztendlich den Anstoss, ihr zu einem würdigen Ende zu verhelfen.

Mieze starb an diesem besagten Mittwoch... nach meinem Geburtstag am Samstag vorher und vor meinen ersten Flug nach Canada am Freitag – hatte sie es gewusst?

Hier in Canada hat mich nie die Sehnsucht nach einem Knäuel Katze losgelassen, in meiner Freizeit oder wenn ich traurig war, besuchte ich oft die örtliche Human Society....

Dann lernte ich Neep-Neep, Boots und noch eine Katze kennen.... Gloria’s Katzen. Die eine, deren Namen ich nicht mehr weiss, musste weil unheilbar krank, auch eingeschläfert werden und Gloria ‘verklickerte’ mir – wegen mangelnden Englischkenntnisse – Neep Neep werde auch eingeschläfert... 22 Jahre alt, taub und blind, auch als Baby in einem Müllcontainer kurz vor Weihnachten gefunden. Und ich: NO, no no !! Sie war so noch fit, keine weiteren körperlichen Gebrechen und ich übernahm ihre Pflege. War das schön, wieder Gesellschaft zu haben.... sie war so schmusig. Aber nach einigen Wochen musste ich Gloria beichten, dass Neep Neep überall hin machte, nicht mehr frass.... es gab auch hier nur die Entscheidung: Würdevolles Sterben.

Wir waren alle dabei.... Gloria, Susan, ihre Kinder und ich.... so etwas hab ich auch noch nicht erlebt – Kinder werden hier an allem was geschieht beteiligt – und lernen auch, dass zum Leben der Tod gehört. Die Tierärztin war wirklich teilnahmsvoll, erklärte uns genau, was sie machen würde.... erst eine Narkose, dann die endgültige Spritze. Wir brachten Neep-Neep gemeinsam in einem dafür extra hergestellten ‘Kleid’ zu Gloria’s Haus zurück und beerdigten sie in angemessenem Rahmen im Garten.... mit einem Gebet und vielen Tränen. Danach malten uns die Jüngsten noch ein Bild zum Andenken – meins hängt immer noch an meiner “Memorywand“.“.....
Es war der 06. August 2002.

 

Wieder verbrachte ich Stunden bei der Human Society, war innerlich zerrissen. Was ist, wenn ich mir eine neue Katze hole - die Verantwortung für ein Leben übernehme in meiner unsicheren Situation. Aber mir fehlte eine richtige Aufgabe, die Schule mit 2 -3 Stunden Unterricht 4 mal in der Woche war zu wenig. Und arbeitsmäßig waren mir ja die Hände gebunden. Man engagierte mich privat sogar als Gartenarchitekt, schätzte meine Vorschläge bei den Umgestaltungen und auch meine tatkräftige Hilfe. Es gibt ja in Hülle und Fülle Material dort - gleich vor der Haustür, was noch nicht einmal was kostet, Steine in allen Variationen z. B. Als ehemalige Floristin hat man doch genügend Ideen, oder nicht? Doch es reichte mir nicht und so redete man mir zu, eine neue Katze zu adoptieren.

Tja und dann überwand ich mich, trabte gleich morgens los ... Die Human Society - Tierheim - ein Ladenlokal in einer Seitenstrasse der Innenstadt. Dutzende Katzen in Käfige, wenige nur freilaufend. Nach einem Umbau mehr Raum für die Katzen und mehr und mehr Katzen, die dort abgegeben wurden. Alle Farben, alle Größen, alle Altersstufen waren vorhanden. Zuerst schaute ich mich interessiert um, wägte ab - aber es war so schwer, eine Entscheidung zu treffen. Ratlos setze ich mich dann auf einen Stuhl und beobachtete weiter. Und dann hatte ich eine etwas ältere dunkle Katze im Auge, nahm sie auf den Arm und betrachtete sie. Nur hatte ich die Rechnung ohne den Wirt gemacht!! Die ganze Zeit versuchte ein kleines buntes Fellbündel meine Aufmerksamkeit zu erregen. Kam angehüpft, ließ sich kraulen und sprang davon... stand mir immer wieder im Weg rum. Nach über einer Stunden wollten die Angestellten denn nun wissen, ob ich mich entschieden hätte und wer steht vor mir und blinzelt mich an? Nikki!

Nikki Polo H. vielleicht ganze 5 Monate alt - sie krempelte mein Leben temperamentvoll um - kein Schrank, kein Regal ist ihr zu hoch. Im Jagdfieber nach einer Fliege geht es auch schon mal die Wand hoch. Oder ich werde als Absprungbrett benötigt, Besucher werden im Schlaf angestarrt und nicht aus den Augen gelassen (Claudia kann ein Lied davon singen lol). Bevor die Türklingel verhallt, steht sie zum Empfang bereit und begrüßt (bis auf eine Ausnahme) jeden auf ihre herzliche Art. Geadelt ist sie auch: *Runter vom Tisch* erschallt es des öfteren *gg* Autofahren liebt sie sehr, sogar hier in Berlin die S-Bahn und die Regionalbahn stand auch schon auf ihrem Programm, ich kann sie überall mit hin nehmen, Katzentransporter vor die Tür gestellt und schwupp ist sie drin! Wasser ist auch anziehend für sie, ob Badewanne, Dusche, Waschbecken und Spüle... und wenns noch schön tröpfelt... ja was will man mehr.

Ganz besonders faszinierend für sie ist mein Drucker. Sobald der angemacht wird, ist sie zur Stelle und untersucht sämtliche Seiten und Ritzen, versucht mit ihren Tatzen zu ergründen, woher denn immer das Papier kommt.

Sicherlich werde ich in Zukunft weitere Bilder hinzufügen und die eine oder andere Story berichten, hoffentlich wird sie mir noch lange erhalten bleiben. Und irgenwann wohl wird sie auch mal vernünftige Eßgewohnheiten entwickeln - ran an den Napf, sich einen Brocken geschnappt und in ca. 1 m Entfernung futtern... Macken, die sich in einer Umgebung wie Tierheim, wo viele Katzen sind, entwickeln - vermutlich aus Futterneid oder so... Aber trotz allem, für mich ist kein Leben mehr ohne Katze denkbar. Und werde Minka, Mieze, Boots, Neep-Neep nie vergessen... und all die anderen Katzen, die meinen Lebensweg bisher gekreuzt haben.

 

 

 

 

 

 

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